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Unterwegs in Karstädt und Umgebung Bienenhaus in Blüthen: Es summt im Pfarrgarten

NEUES BIENENHAUS AUF DEM PFARRHAUSGELÄNDE Blüthen eingeweiht

Karsten Pöhls (r.i.B.) und Hans-Ulrich Wolf (l.i.B.) freuen sich über die Einweihung des neuen Bienenhauses im Pfarrgarten Blüthen. Zu sehen war an diesem Tag auch historisches Imkerzubehör. FOTO: MANFRED DRÖSSLER

15.09.2020

BLÜTHEN Um 240 000 bis 300 000 „Mitbewohner“ reicher ist der Pfarrgarten des Dorfes Blüthen in der Gemeinde Karstädt. Karsten Pöhls, Hobbyimker aus Dallmin, übergab am Freitag offiziell ein neues Bienenhaus samt drei Jungvölkern an den Trägerverein Pfarrhausmuseum Blüthen.
    

„Pfarrhäuser waren früher ein Wirtschaftssystem für die Selbstversorgung der Pfarrersfamilien, so auch mit Tierhaltung, Imkerei usw. Es ging also nicht nur um Seelsorge. Neben Honig als Lebensmittel wurde Wachs zur Herstellung von Kerzen genutzt. Auch steht das Bienenvolk metaphorisch als Ideal-Gemeinde“, erzählt Museumskurator Bodo-Michael Baumunk aus Berlin. Viele Pfarrer waren anerkannte Bienenhalter. So entwickelte Ferdinand Gerstung neue, fortschrittliche Ideen und Methoden zur Bienenhaltung, sein Lehrbuch „Der Bien und seine Zucht“ erlebte sieben Auflagen. Amtsbruder und Freund August Ludwig war als „Thüringer Bienenprofessor“ in ganz Deutschland bekannt. Zu verdanken ist beiden die Gründung des Deutschen Bienenmuseums in Weimar. Keine Anhalts punkte gibt es, ob sich der letzte Blüthener Pfarrer, Dr. Karl Groß, mit Imkerei befasste. Doch fand man auf dem Dachboden alte ImkerUtensilien: eine Drei-WabenSchleuder, Scheiben-Honig-Presse und einen sehr alten Rauchsmoker. Kirchenältester Hans-Ulrich Wolf, Initiator und Motor des Gesamtprojekts Landpfarrhaus-Museum, trat an Karsten Pöhls heran, ob er nicht in Blüthen Bienen halten würde. Für ein mögliches Bienenhaus steuerte er ein historisches Foto als Vorlage bei. Umgesetzt hat es Karsten Pöhls, unterstützt mit dem Wissen und Können von Thomas Düwerth.
    

Seit zwölf Jahren befasst sich Pöhls eigenständig mit dem schönen, aber anspruchsvollen Hobby, ist Mitglied im Imkerverein Seehausen. Bereits in jungen Jahren sammelte er bei seinem Onkel in Kribbe erste Imker-Erfahrungen und baute sie weiter aus. Hauptberuflich ist der 54-Jährige Schichtleiter in der Stärkefabrik. „Die drei Jungvölker sollen in Blüthen überwintern, werden hier eingefüttert und im Herbst gegen Milben behandelt. Ich hoffe, dass sich drei tolle Bienenvölker entwickeln und sie im nächsten Jahr jeweils drei gute Trachten einbringen. Pro Volk könnten es 50 bis 60 Kilogramm Honig sein“, schaut der Dallminer vorsichtig optimistisch ins nächste Jahr. Ob auf den Gläsern dann „Blüthener Pfarrhaus-Honig“ oder ähnliches stehen wird, ist offen... MANFRED DRÖSSLER