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Ausbildung & Jobs in der Region Neustart eröffnet Chancen

Mit 30 in die Ausbildung: „Die Motivation ist jetzt ganz anders“

Auch wer spät eine Ausbildung beginnt, hat in Handwerksbetrieben oft gute Chancen. FOTO: KIRSTEN NEUMANN/DPA-MAG

22.07.2020

Mit 37 Jahren geht Christoph Szostak wieder zur Schule, manche seiner Klassenkameraden sind knapp halb so alt wie er. „Die Vorstellung, wieder lernen zu müssen, war für mich ein absoluter Alptraum“, gesteht er. Er nahm die Herausforderung dennoch an: Vor knapp zwei Jahren hat er sich zu einer Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration entschieden.

Szostak war nach zwei abgebrochenen Lehren mehrere Jahre arbeitslos. „Für die Familie sorgen zu können“, war einer der Gründe, mit Unterstützung des Jobcenters einen dritten Anlauf zu versuchen. Auf ein Motivationstraining folgte ein Praktikum bei einer IT-Firma, die ihn gleich übernahm. „Aber mein Chef legte mir nahe, zusätzlich noch die Ausbildung zu machen“, erzählt er. Das gab schließlich den Ausschlag. Die Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert Szostak nun in Form einer Umschulung, sie wurde von drei auf zwei Jahre verkürzt.
  

Knapp 20 Jahre ist der Durchschnittsazubi in Deutschland alt, Lehrlinge jenseits der 30 sind in der Minderheit. Doch der Trendpfeil geht nach oben. Die Gründe, eher spät eine Ausbildung zu starten, seien vielfältig, sagt Aneta Schikora von der Bundesagentur für Arbeit.

Durch den Mangel an Fachkräften steige in den Betrieben die Bereitschaft, auch Kandidaten einzustellen, die sich erst vergleichsweise spät, möglicherweise nach einigen beruflichen Umwegen, für eine Ausbildung entscheiden, beobachtet Kirsten Kielbassa-Schnepp. Sie ist beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für Berufsorientierung und Nachwuchsförderung zuständig. Sie rät Bewerbern, „offensiv darzulegen, warum sie sich so spät für eine Ausbildung entscheiden“. Im Handwerk mit seinen oft eher kleinen Betrieben „ist es erfolgversprechend, gleich den persönlichen Kontakt zu suchen“ - also den Chef direkt anzusprechen, und ein Praktikum zu vereinbaren, um sich gegenseitig kennenzulernen. In technischen Berufen sind qualifizierte Kräfte genauso dringend gesucht wie in der Pflege und in der Kinderbetreuung. „Deshalb ist dort die Wahrscheinlichkeit, einen Ausbildungsplatz zu finden, sicherlich größer als beispielsweise in kaufmännischen Berufen“, sagt Aneta Schikora von der Arbeitsagentur.
   

Besonders gefördert werden junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren, die noch keinen qualifizierten Abschluss haben. „Zukunftsstarter“ heißt ein Projekt der Arbeitsagentur, das sich an Arbeitslose und Beschäftigte zwischen 25 und 35 Jahren ohne Berufsabschluss richtet. Sie werden - bei Bedarf - bei einer Aus- oder Weiterbildung unterstützt, die einen Berufsabschluss zum Ziel hat. Sie bekommen etwa Zuschüssen zu Lehrgangs-, Fahrt- oder Kinderbetreuungskosten oder auch Nachhilfeunterricht.

Daneben gibt es weitere Fördertöpfe, um die Ausbildungsvergütung aufzustocken, beispielsweise die Berufsausbildungsbeihilfe für betriebliche Erstausbildungen oder Schüler-Bafög. DPA-MAG