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Helfer in schweren Stunden Ein denkwürdiges Jahr

     


20.11.2020

Viele schauen in diesen Tagen auf ein Jahr zurück, in dem so einiges anders war. Manche sagen „Es ist eben ein Schaltjahr! Was hast Du anderes erwartet?“

Der ein oder andere scheint im Rhythmus der Schaltjahre wiederholt nur Schlechtes erlebt zu haben, Dinge, die seine Existenz bedrohten, Freundschaften, die auseinanderbrachen, Menschen, die er an den Tod verlor. Zufall oder Aberglaube?

Für mich war dieses Jahr auch mit echt krassen Einschnitten verbunden, einige davon wirklich derb und kräftezehrend. Aber vieles davon wäre auch so passiert, Schaltjahr hin oder her, alles nur eine Frage der Zeit.

Wir alle mussten in den vergangenen Monaten mit auferlegten Einschränkungen kämpfen, vieles war denkwürdig und schwer zu akzeptieren. Ich bin mit Leib und Seele Bestatterin und saß in diesem Jahr so oft wie noch nie zwischen den Stühlen. Keine Trauerfeier – dabei hätte die Mutti oder der Opa sich so über eine volle Kapelle gefreut. Ein Abschied nur im engsten Kreis. Wem sagen wir jetzt, dass er nicht kommen darf? Wem erlauben wir den so wichtigen Abschied am Grab? Wem gestehen wir zu, mit uns zu trauern?

Es ist wirklich schwer und manchmal echt herzzerreißend, diese Auflagen der heutigen Zeit durchsetzen zu müssen. Und trotzdem gab es Familien, die sagten, es war schön so. Viel intensiver, viel freier. Wir waren unter uns und mussten uns nicht zusammenreißen oder für andere funktionieren. Wir haben alles so gemacht, wie wir das wollten und brauchten keine Angst haben, was wohl die Leute dazu sagen, weil es eben mal anders war.

Die Akzeptanz der Einschränkungen ist gestiegen. Für uns ist es immer noch schwer, zu verdeutlichen, dass es keine Ausnahmen, keine Gesetzeslücken gibt und noch immer sitzen wir oft zwischen den Stühlen.

Wir können nur vorschlagen, welche Alternativen es gäbe. Zum Beispiel ist eine Möglichkeit, das Grab mit Verwandten und Freunden später gemeinsam zu besuchen und bei einem Spaziergang vergangene Zeiten Revue passieren zu lassen. Oder aber man holt eine Feier am Geburtstag desjenigen nach, dessen Abschied jetzt nicht im angedachten Rahmen stattfinden konnte. Es gibt immer einen Weg, irgendwann.

Wichtig ist und bleibt, allein zu sein, wenn man es braucht und nicht allein zu sein, wenn man von der Trauer überwältigt wird.

Nicht jeder hat die Familie vor Ort oder einen großen Freundeskreis, der einen auffängt. Nicht jeder hat einen an seiner Seite, der ihm eine starke Schulter zum Ausweinen bietet. Achtet auf diese Menschen und reicht ihnen eine helfende Hand. Wir haben vor einiger Zeit das „Trauercafé“ ins Leben gerufen, welches Anfang des Jahres treffender Weise in „Café Lichtblick“ umbenannt wurde. Wir wollten Trauernden eine Möglichkeit bieten, nicht allein zu sein, Erlebnisse und Gefühle teilen zu können, schöne Stunden miteinander zu verbringen, wenigstens einmal im Monat. Uns gibt es immer noch und wir sind für Euch da, hoffentlich bald wieder in gewohnter Weise. Vielleicht haben wir ja Glück und sehen uns im Dezember. ANDREA HINRICHS HAUS DER BESTATTUNG