Sonderthemen

Grenzenlos : Liebe Leserinnen und Leser,

  
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jetzt ist es zwei Jahre länger her, dass die Mauer fiel, als sie zuvor Deutschland geteilt hatte. Die Mehrheit der Deutschen in Ost und West ist angekommen im vereinten Deutschland. Etwa ein Drittel der ostdeutschen Bevölkerung jedoch hadert mit dem Vereinigungsprozess und der Lebenswirklichkeit. Dreißig Jahre nach der friedlichen Revolution ist eine Debatte darüber entbrannt, wie die Lebensleistung der Ostdeutschen in der gesamten Republik respektiert wird. Nicht nur die Lebensleistung derer, die – angepasst, wiederständig oder staatstragend – wesentliche Teile ihrer Biografie in der DDR verbrachten. Sondern auch die Lebens- und vor allem Anpassungsleistung, die die ehemalige DDR-Bevölkerung seit dem Mauerfall erbracht hat. Dabei vermischen sich die Folgen der Wiedervereinigung mit jenen, die eher der seit 1990 einsetzenden Globalisierung zuzuschreiben sind, aber auch der Auflösung des westeuropäischen Reformstaus mithilfe neoliberaler Konzepte, verstärkt durch die geplatzte Blase der so genannten New Economy und schließlich die digitale Revolution. Schließlich ereilte die Welt eine tiefe Finanz- und schließlich eine Migrationskrise ungekannten Ausmaßes. All das führte zu einer Polarisierung der Gesellschaft, wie sie 1989 nicht vorstellbar war, als mancher schon das Ende der Geschichte gekommen sah.

Umso mehr gilt es, zu einem solchen Jubiläum sich der Werte der demokratischen Gesellschaft zu versichern, die Geschichte der friedlichen ostdeutschen Revolution nachzuzeichnen, Geschichten von Menschen zu erzählen, die den Zusammenbruch der DDR mitbewirkt hatten. Geschichten über die ersten 100 West-Mark, über den Geruch der DDR-Intershops oder den Umbruch im Boxsport. Und über Menschen, die Teilung nie erlebt haben und dennoch mit ihr konfrontiert sind. Etwa die Hälfte der Geschichten entstammt der Feder gestandener Redakteure, die selbst Zeitzeugen der Zeitenwende sind. Die andere Hälfte steuerten unsere jungen Kollegen bei – Volontärinnen und Jungredakteure aus Ost und West. Ich fände es spannend, ob Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Herkunft der Autoren erkennen würden. Lassen Sie uns wissen, wie Ihnen diese Sonderbeilage unserer Zeitung gefallen hat. Ich wünsche Ihnen eine vergnügliche und zugleich erkenntnisreiche Lektüre.

Michael Seidel
Chefredakteur
medienhaus:nord